Meine Aufnahmeprüfung in München – Musical

„Oh mein Gott. Ich habe es gefunden “ , war mein erster Satz, als ich in den großen weißen Raum kam, in dem die Anmeldung zur Aufnahmeprüfung war. Ich war einmal durchs halbe Gebäude geirrt und hatte bereits Angst gehabt, dass ich in den verwirrenden Kellergängen graue Haare bekommen würde.

Am Vortag war ich bereits 6 Stunden von Köln nach München gereist. Kaum war ich bei der Theaterakademie angekommen traf ich die ersten bekannten Gesichter. Ich war wirklich froh jemanden zu kennen, da ich mir so nicht ganz so verloren vorkam. Wir wurden von Beginn an in zwei Prüfungs-Gruppen eingeteilt. Aber natürlich war keiner von ihnen in meiner Gruppe. Schließlich war ich in Gruppe B und meine Freunde alle in Gruppe A.

Von den 150 Bewerbern aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz waren am 5. Oktober Vormittags ungefähr 25 Leute eingeladen. Von diesen 150 Teilnehmern werden dann 8 ausgesucht, um das Musical-Studium anzutreten. Meistens sind es 4 Mädchen und 4 Jungs, was in Anbetracht der Tatsache, dass unter den 150 Bewerbern vielleicht 30 Jungs und 120 Mädchen sein werden, mal wieder beweist, wie viel einfacher Jungen es in diesem Berufsfeld haben.

Zuerst waren wir mit Tanz dran. Ich zog mich also um und pinnte die Nummer 19,  welche meine Teilnehmerzahl war, an mein Trikot. Der Tanz war erst angekündigt als „Pick-up-Choreo“, aber ich war dann sehr froh, dass es dann „nur“ ein normales Jazz-Workout war. Ich stand vorne in der ersten Reihe, da die Prüfungskommission dies aufgrund meiner Prüfungsnummer so bestimmt hatte. Wir versuchten also in drei Reihen ein Workout nachzumachen, das von einem Dozenten vorgezeigt wurde. Manchmal habe ich zwar Fehler gemacht, aber das war nicht so wichtig. Ich habe einfach  gelächelt und weitergemacht. Meiner Meinung nach geht es eher um die Ausstrahlung und nicht darum die Schritte perfekt zu können. Zum Ende häuften sich dann leider die Fehler, als es dann in die Diagonale durch den Raum ging. Aber ich wurde öfters mal vom Lehrer gelobt, was ich als ein gutes Zeichen wertete.

Nach der Runde Tanz gab es erstmal eine halbe Stunde Pause. Nach knapp 20 Minuten wurde aber auch schon die erste aus meiner Gruppe zum Einsingen gebeten. Ich bekam erst gar nicht mit wie man mich suchte, da ich so in ein Gespräch vertieft war, dass ich nicht wahrnahm, dass ich bereits hinunter in den Einsing-Raum gehen musste. Zum Glück habe ich dadurch keine Zeit verloren. Die zehn Minuten, die man dann zum Einsingen hatte, waren viel zu wenig. Gefühlt war ich eine Sekunde in dem großen Raum, bis die nächste Teilnehmerin mich bereits verdrängte. Kurz musste ich dann noch vor dem Prüfungsraum warten bis es dann endlich losging.

Der Raum war groß und freundlich. Es war der Gleiche wie der in dem ich vorhin noch getanzt hatte. Drei Jury-Mitglieder begrüßten mich: Ein Mann, der bereits beim Tanzen sich Notizen gemacht hatte und zwei Frauen, die sehr freundlich wirkten. Ich wollte ihnen meine Liste meines vorbereiteten Repertoires geben, doch diese brauchten sie gar nicht. Um dort teilnehmen zu dürfen, musste man vier Lieder vorbereiten, wovon mindestens eins auf Englisch sein musste und höchstens eins aus dem Nicht-Musical-Bereich stammen durfte. Eine Musical-Szene, ein Volkslied (a capella), ein klassischer Schauspielmonolog, ein Gedicht, eine Choreographie und zwei Instrumentalstücke befanden sich ebenfalls in meinem Repertoire. Der erste Vortrag war frei zu wählen, doch danach suchte die Jury die Vorträge aus. Meine Wahl fiel auf meine Szene. Ich spielte die Luisa aus „The Fantasticks“ mit ihrem Monolog vor dem Lied „Much More“. Danach fragte mich die Jury nach meinem „Up-Tempo-Song“ „Not for the life of me“ aus „Thoroughly Modern Millie“. Ich hatte damit bereits gerechnet, da es mein einziger „Up-Tempo-Song“ auf der Liste war. Jedoch unterbrachen sie mich nach der ersten Strophe. Dann wollten sie noch meinen klassischen Monolog sehen. Dabei war meine Wahl auf Prinzessin Eboli aus „Don Carlos“ von Schiller gefallen. Auch hier unterbrachen sie mich ungefähr nach dem ersten Absatz. Sie wollten noch die erste Strophe meines Volksliedes „Die Loreley“ hören und dann war ich auch schon fertig mit meinem Vortrag.

Voller Spannung erwartete ich am Samstag dann die E-Mail von der Hochschule, die mir bedeuten würde, das ich eine Runde weiter wäre. Leider wurde ich enttäuscht. Es kam keine Mail. Stattdessen werde ich im laufe der Woche einen Brief bekommen, in dem ich eine offizielle Absage bekomme.

Die Absage kann verschiedene Gründe haben, aber eigentlich ist der seltenste davon, dass man schlecht war. Ich werde es einfach nochmal an einer anderen Schule probieren und schauen was dabei heraus kommt.

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